Wieso bekomme ich keine Berufsunfähigkeitsrente?

Anträge auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung werden am häufigsten zurückgewiesen, weil der Kunde nicht zu 50 Prozent beeinträchtigt ist. Das berichtet das Versicherungsjournal mit Bezug auf Michael Franke, den Geschäftsführer der Rating-Agentur Franke & Bornberg. Anlass war dessen Podiumsdiskussion auf der Versicherungs- und Finanzmesse DKM. Insgesamt stellt der Fachmann der Branche im Vergleich zu anderen Ländern dennoch ein starkes Zeugnis aus.In den Berufsunfähigkeits Tests werden regelmäßig die Leistungen und die Preise der Anbieter verglichen. Auch der Service der Versicherer wird unter die Lupe genommen. Die Abwicklung von Schäden fließt jedoch in die meisten Vergleichen nicht mit ein. In diesem Zusammenhang ist die Statistik über die häufigsten Ursachen für abgelehnte Anträge auf eine BU-Rente äußerst interessant.

Gesundheitsfragen werden zum Verhängnis

Moderator Michael Franke berichtete auf der Fachmesse DKM in Dortmund, dass 43 Prozent der Ablehnungen zu Stande kommen, weil ein Kunde nicht den benötigten Grad für eine Berufsunfähigkeit erreicht. In der Regel muss eine 50-prozentige Beeinträchtigung vorliegen, damit die vereinbarte monatliche Rente ausgeschüttet wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Arbeitnehmer statt täglich acht nur noch vier Stunden tätig sein kann. Nicht selten kommt es wegen des Nachweises auch zu Streitigkeiten zwischen Versichertem und Unternehmen.Bei 26 Prozent der Ablehnungen weisen Versicherer einen Antrag auf Leistungen mit dem Vermerk auf „Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht“ zurück. Die Versicherer überprüfen bei der Schadensabwicklung die Krankheitsakte des Kunden. Daher ist es wichtig, dass die Gesundheitsfragen wahrheitsmäßig und vollständig beantwortet werden. Werden Vorerkrankungen weggelassen, kann der Versicherer im Leistungsfall seinen Anspruch verneinen. Hat ein Kunde vorsätzlich gelogen, kann das Unternehmen gar den ganzen Vertrag anfechten.

Kundenbetreuung der Berufsunfähigkeitsversicherungen verbesserungswürdig

Die drittmeisten Abweisungen (9 Prozent) hängen mit dem Prognosezeitraum zusammen. Kunden müssen üblicherweise mindestens sechs Monate außer Gefecht gesetzt sein, damit ihnen Leistungen zustehen. Ist der Prognosezeitraum kürzer, gilt die Beeinträchtigung nicht als dauerhaft. Dementsprechend muss der Versicherer nicht zahlen.Viele Kunden bemerken selbst, dass ihr Antrag nicht bewilligt werden würde und schicken die Unterlagen erst gar nicht an das Unternehmen zurück. Auf der anderen Seite fühlen sich nicht wenige Versicherungsnehmer aber auch allein gelassen. Franke kritisierte, dass sich die Vermittler nur in einem von zwanzig Leistungsfällen um ihren Kunden kümmern.

BU-Leistungen sind deutlich besser geworden

Insgesamt weist der Geschäftsführer der gleichnamigen Rating-Agentur aber darauf hin, dass sich die Leistungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung erheblich verbessert haben. Frühere Besonderheiten einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung sind heute selbstverständlich. Dazu zählt zum Beispiel der Verzicht auf eine abstrakte Verweisbarkeit. Somit können Kunden nicht auf einen beliebigen anderen Beruf verwiesen werden. Auch die Prüfung ausschließlich anhand der letzten ausgeübten Tätigkeit hat sich inzwischen etabliert. Als weitere Verbesserungen nennt Franke, dass bei Kriegsereignissen keine Ausschlüsse drohen und der Versicherungsschutz weltweit greift.Im internationalen Vergleich müssten sich die deutschen Berufsunfähgigkeitsversicherer ohnehin nicht verstecken. Franke lobt die Versicherer für ihr „weltmeisterliches Niveau“. Bei den vertraglich fixierten Leistungen sei kaum noch Luft nach oben. Vielmehr trennt sich laut Franke bei der Abwicklung der Leistungen die Spreu vom Weizen. Deshalb greift es auch zu kurz, die Berufsunfähigkeitsversicherung nur nach dem Preis auszusuchen.