Berufsunfähigkeitsversicherung: Warum Versicherer ablehnen

Diese Krankheiten, Behandlungen und Hobbys erschweren den Versicherungsschutz

Bereits eine psychologische Behandlung gegen Spinnenphobie macht den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nahezu unmöglich. Das ist eines von vielen Beispielen aus einem aktuellen Bericht der Stiftung Warentest über die Annahmepolitik von Versicherungsunternehmen. Was die häufigsten Ausschlussgründe sind, wie der Vertragsabschluss gefahrlos vorbereitet werden kann und welche Alternativen zur BU im Einzelfall sinnvoll sind.Die Stiftung Warentest widmet sich in der Juli-Ausgabe von „Finanztest“ in einem ausführlichen Beitrag den Annahmerichtlinien von BU-Versicherungen. Die Verbraucherschützer fassten dabei erstmals die Erfahrungen ihrer Leser von 2001 bis heute zusammen und gingen zusätzlich auf einzelne Fälle genauer ein. So wird etwa ein Leser zitiert, der für seine 23 Jahre alte Tochter eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte.

Die Tochter plante einen längeren Aufenthalt im Südamerika und absolvierte deshalb drei Termine bei einer Psychologin, um ihre Spinnenphobie  in den Griff zu bekommen. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß: „Uns wurde von mehreren Versicherern mitgeteilt, dass bereits eine einzige Sitzung beim Psychologen zur Ablehnung führt“.

BU-Versicherung für Diabetiker nur bis 49 Jahre und mit 100% Risikozuschlag

Auch über einen 22jährigen Studenten und seine vergebliche Suche nach einer geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung berichtet der Beitrag ausführlich. Der Student leidet unter Diabetes Typ I. Auch wenn er sich ansonsten bester Gesundheit erfreut führten Anträge bei zehn unterschiedlichen Versicherern nicht zum Erfolg: Acht lehnten sofort ab, eine weitere Versicherung lehnte nach Prüfung ab und ein Versicherer unterbreitete ein Angebot mit 100 Prozent Risikozuschlag und Versicherungsende mit 49 Jahren.

Die Verbraucherschützer führen eine lange (aber keinesfalls abschließende) Liste mit Erkrankungen auf, die zur sofortigen Ablehnung von Anträgen führen oder den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nur mit Leistungsausschlüssen und/oder Risikozuschlägen ermöglichen. Bei Leistungsausschlüssen werden Krankheiten im Vertrag festgelegt, bei deren Eintritt es im Fall der Berufsunfähigkeit nicht zu einer Leistung durch den Versicherer kommt.Ganz oben auf der „schwarzen Liste“ der Versicherer stehen psychische Erkrankungen wie z. B. Angststörungen. Aber auch:

  • Angina pectoris,
  • Asthma,
  • Augenerkrankungen,
  • rheumatische Arthritis,
  • Bandscheibenvorfälle,
  • chronische Blasenentzündung,
  • Bulimie,
  • Diabetes mellitus,
  • Endometriose,
  • Morbus Crohn,
  • Herzinfarkt,
  • chronische Hepatitis,
  • chronische Dermatitis,
  • Krampfadern,
  • Neurodermitis,
  • Nierensteine,
  • Schilddrüsenüberfunktion oder
  • Schuppenflechte.

Auch gefährliche Hobbys sind ein Ausschlussgrund

Neben Erkrankungen stellt auch das Ausüben bestimmter Berufe oder Hobbys eine Hürde für den Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen dar. Als Beispiele für „Gefahrberufe“ nennt die Stiftung Warentest u.a. Gerüstbauer, Kellner, Lagerarbeiter, Spediteur, Bauarbeiter, Kanalbauer und Schausteller. Gefährliche Hobbys sind in der Definition der Versicherungswirtschaft demnach Bergsteigen, Bungee-Jumping, Speedway-Rennen, Formel-1, Apnoetauchen, Rugby, Kitesurfen, Boxen, Gewichtheben und Judo.Versicherungsnehmer müssen Erkrankungen, Hobbys und Berufe im Detail angeben und dürfen unter gar keinen Umständen falsche Angaben im Antrag machen.

Der Versicherer kann sich ansonsten auf eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung berufen und die Leistung verweigern. Die meisten Versicherer fragen die letzten fünf Jahre vor Vertragsabschluss ab – bei einzelnen Gesellschaften sind auch zehn Jahre üblich.Für den Vergleich möglichst vieler Angebote ohne die sofortige Preisgabe persönlicher Daten bieten sich anonyme Vorabfragen über Versicherungsmakler an. Dabei werden die Erkrankungen bzw. Risiken genannt, aber nicht mit der Person des Antragstellers in Verbindung gebracht. Wer einmal „mit offenem Visier“ BU-Policen beantragt macht sich für alle Versicherungen transparent: Die Assekuranzen melden bestimmte Risiken an das brancheninterne Hinweis- und Informationssystem.