Berufsunfähigkeitsversicherung & Coronavirus: Was bringt die Infektionsklausel?

Angesichts der Corona-Krise steht der Infektionsschutz im Vordergrund. Viele Unternehmen haben für ihre Mitarbeiter bereits Kurzarbeit angemeldet oder lassen ihre Mitarbeiter im Home-Office arbeiten, um Infektionen zu vermeiden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn der Versicherte seinen Beruf aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls über längere Zeit nicht ausüben kann. Eine Infektion führt nicht zu einem Leistungsanspruch. Damit der Versicherte auch bei einer Infektion Leistungen erhält, muss eine Infektionsklausel vereinbart werden.

Typischer Leistungsumfang in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn der Versicherte seinen Beruf aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr ausüben kann. Die Leistungsfähigkeit des Versicherten muss zu mindestens 50 Prozent eingeschränkt sein. Typische Ursachen für eine Berufsunfähigkeit sind

  • zu 32 Prozent psychische Erkrankungen und Nervenkrankheiten
  • zu 21 Prozent Erkrankungen von Skelett und Bewegungsapparat
  • zu 16 Prozent sonstige Erkrankungen
  • zu 15 Prozent Krebs
  • zu 9 Prozent Unfälle
  • zu 7 Prozent Herz- und Kreislauferkrankungen.

Bei der Zahlung der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente spielt das zuletzt im Beruf erzielte Einkommen keine Rolle. Der Versicherte kann mit Leistungen rechnen, wenn er mindestens sechs Monate lang krankgeschrieben ist.

Infiziert sich der Versicherte oder darf er aufgrund behördlicher Bestimmungen zum Infektionsschutz seinen Beruf vorübergehend nicht ausüben, bestehen in der Regel keine Ansprüche auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Nur dann, wenn der Versicherte infolge der Infektion dauerhaft so stark in seiner Leistung beeinträchtigt ist, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Noch ist nicht erforscht, ob das Corona-Virus zu Langzeitfolgen führen kann. Einige Ärzte halten Langzeitfolgen für die Infizierten für möglich. Ist ein Infizierter durch die Langzeitfolgen so stark geschädigt, dass er nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, hat er Ansprüche auf ein Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Was passiert bei einer Infektion?

Die Zahl der Infizierten mit dem Corona-Virus in Deutschland wird immer größer. Nicht jeder Infizierte ist tatsächlich in seiner Leistung eingeschränkt. Einige Infizierte merken nicht einmal, dass sie sich infiziert haben. Sie können das Virus jedoch durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion auf andere Menschen übertragen. In verschiedenen Berufsgruppen dürfen die Infizierten ihren Beruf aufgrund des Infektionsschutzgesetzes nicht mehr ausüben. Das betrifft meldepflichtige Infektionskrankheiten wie Corona, Masern, Hepatitis C, Malaria oder Salmonellen. Führt das Tätigkeitsverbot zu Einkommenseinschränkungen, hat der Infizierte Anspruch auf eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz. Er bekommt in den ersten sechs Wochen eine Entschädigung in der vollen Höhe des Verdienstausfalls. Ab der siebten Woche wird eine Entschädigung gezahlt, die so hoch wie das Krankengeld ist. Das ist erheblich niedriger als das Nettoeinkommen.

Inhalt der Infektionsklausel bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Damit Versicherte, die mit COVID-19 infiziert sind und aufgrund behördlicher Bestimmungen nicht in ihrem Beruf arbeiten können, Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten können, muss eine Infektionsklausel in der Police enthalten sein.

Bei den verschiedenen Versicherungsgesellschaften unterscheiden sich die Bedingungen, damit die Infektionsklausel bei einem behördlichen Tätigkeitsverbot aufgrund einer Infektion greift. Die Infektionsklausel greift oft nur für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Zahnärzte, Alten- oder Krankenpfleger, während Mitarbeiter in der Gastronomie, Bäcker oder Metzger leer ausgehen, wenn sie aufgrund einer Infektion und einer behördlichen Auflage ihren Beruf nicht ausüben dürfen.

Nicht immer wird aufgrund einer Infektion mit Corona ein behördliches Tätigkeitsverbot erteilt. In verschiedenen Einrichtungen oder Unternehmen wurde aufgrund der aktuellen Situation ein Hygieneplan erstellt. Im Hygieneplan ist festgelegt, welche beruflichen Tätigkeiten die Infizierten noch ausüben dürfen. Liegt kein behördliches Verbot, sondern nur ein Hygieneplan vor, greift die Infektionsklausel der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht immer.

Aufgrund einer COVID-19-Infektion muss nicht immer ein vollständiges Berufsverbot gelten. Ein infizierter Arzt kann beispielsweise noch im Home-Office arbeiten und Gutachten schreiben oder Hygienepläne erstellen, wenn er über eine entsprechende Weiterbildung verfügt. Bei einem teilweisen Berufsverbot leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht immer, wenn eine Infektionsklausel vereinbart wurde.

Fazit: Infektionsklausel ist schwammig

Infizierte mit dem Corona-Virus sind teilweise noch in der Lage, ihren Beruf auszuüben. Sie dürfen das jedoch aufgrund behördlicher Regelungen oder eines Hygieneplans oft nicht. Die Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt für die Betroffenen nur dann Leistungen, wenn eine Infektionsklausel vereinbart wurde. Die Regelungen, wann die Infektionsklausel greift, sind bei den verschiedenen Versicherungsgesellschaften unterschiedlich. Am Ende muss man sich immer Fragen, wie wahrscheinlich solch ein Fall ist und wie hoch der monatliche Aufpreis ist, für einen Tarif mit der Infektionsklausel bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.