Berufsunfähigkeitsversicherung: Nachteile der privaten Vorsorge

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert die Nachteile ab, die durch einen Krankheitsfall entstehen. So muss sich der Kunde keine finanziellen Sorgen machen, da sein Einkommen durch die Berufunfähigkeitsrente gesichert ist. Anders als andere Policen wie etwa eine Dread Disease Versicherung greift der Schutz bei nahezu allen Krankheiten und nicht nur bei gravierenden Erkrankungen wie Krebs oder einem Schlaganfall. Wegen der umfassenden Absicherung empfiehlt auch das Verbraucherinstitut Stiftung Warentest den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Doch die Nachteile einer solchen Police sind für den Kunden keinesfalls außer Acht zu lassen. Die Prüfungskriterien der Berufsunfähigkeitsversicherung sind streng, die Beiträge hoch und die Zahlungsmoral einiger Unternehmen ausbaufähig. Manche Verbraucher fühlen sich im Stich gelassen, weil ihnen die Leistungen verweigert werden. Die Redaktion von berufsunfaehigkeitsversicherung-test.de verrät, wo die Nachteile der Berufsunfähigkeitsversicherung im Einzelnen liegen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Nachteile bei der Gesundheitsprüfung

Bei vielen Berufsunfähigkeitsversicherungen liegen die Nachteile darin, dass vermeintliche Risikogruppen im Vorfeld oftmals ausgeschlossen werden oder nur mit Leistungausschlüssen sowie erhöhten Beiträgen aufgenommen werden. Der Wettbewerb der Versicherer konzentriert sich stärker auf die Menschen mit geringerem oder normalem Risiko. Dieses Risiko wird durch eine Gesundheitsprüfung festgestellt, Menschen mit gravierenden Vorerkrankungen haben hierbei schlechte Karten. Das gilt insbesondere für Personen, die in den vorangegangenen Jahren eine psychische Erkrankungen hatten.

Nach einer Psychotherapie fällt der Antrag auf Berufunfähigkeitsversicherung fast immer zum Nachteil des Kunden aus. Als nicht versicherbar gilt darüber hinaus jemand, der zum Beispiel Drogenprobleme hatte oder einen Schlaganfall erlitten hat. Wer die Gesundheitsfragen schließlich überstanden hat, muss dennoch bei zunehmenden Alter steigende Versicherungsbeiträge und den Ausschluss der entstehenden Krankheiten befürchten.

Zudem müssen Berufsgruppen mit starker körperlicher Tätigkeit wie etwa Maler, Maurer und Dachdecker mit hohen Prämien rechnen. Die Zuschläge werden nach der Schadensstatistik berechnet, aus der hervorgeht, welche Tätigkeiten besonders häufig zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben führen. Auch Menschen mit riskanten Hobbys wie Bergsteigen, Tauchen oder Bungee Jumping zahlen deutlich höhere Prämien.

Verbraucher sehen hohe Kosten als größten Nachteil der Berufsunfähigkeitsversicherung

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die hohe finanzielle Belastung als Verbraucher bei der Berufsunfähigkeitsversicherung als größter Nachteil genannt wird. Jeder zweite Deutsche führt die hohen Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung als Grund für seine Nichtabsicherung an. Das ergab eine Umfrage der YouGov im Auftrag der Hannoverschen Anfang 2015. Eine umfassende Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist laut Stiftung Warentest (Finanztest 06/2015) sehr kostenintensiv. Die Modellkunden des Verbraucherinstituts bezahlen zwischen 850 und 1.800 Euro im Jahr, um im Schadensfall eine monatliche Rente von 2.000 Euro zu erhalten. Das sind 42,5 bis 90 Prozent der Deckungssumme. Im Durchschnitt ist also davon ausgehen, dass die Beiträge deutlich über der Hälfte der ausgezahlten Summe im Leistungsfall ausmachen.

Die Berufunfähigkeitsquote liegt jedoch nur bei wenigen Berufsgruppen wie Gerüstbauern, Dachdeckern und Bergleuten leicht über 50 Prozent. 20-Jährige tragen ein 43-prozentiges Risiko, vor dem Erreichen des Rentenalters berufsunfähig zu werden. Bei älteren Arbeitnehmern, die dem 67. Lebensjahr näher sind, ist eine Berufsunfähigkeit sogar deutlich unwahrscheinlicher.

Im Klartext: Die Beiträge fallen gemessen an dem Risiko, berufsunfähig zu werden, aus Verbrauchersicht zu hoch aus. Und bei einem reibungslosen Verlauf des Beruflebens ohne gravierende Erkrankungen werden logischerweise keine Prämien zurückerstattet.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Nachteile beim Nachweis des Schadenfalls

Große Nachteile der Berufsunfähigkeitsversicherung entstehen für den Kunden häufig durch die fehlende Eindeutigkeit des Leistungskatalogs. Zwar ist festgelegt, dass der Versicherer ab einer 50-prozentigen Berufsunfähigkeit zahlt, jedoch ist der Nachweis der genauen Beeinträchtigung in der Praxis kompliziert. Es ist nämlich nicht leicht, zu bestimmen, welche Tätigkeit für wie lange noch ausgeübt werden kann.

Die Versicherer versuchen häufig, die bestehenden Regelungen zu ihren Gunsten auszulegen und das Eintreten des Schadenfalls von sich zu weisen. Bis ein entsprechendes Gutachten zur Berufsunfähigkeit vorliegt und die Berufsunfähigkeitsrente tatsächlich ausgezahlt wird, ist daher viel Zeit vergangen. Somit müssen notwendige Operationen oder Umbaumaßnahmen der Wohnung zumeist aus eigener Tasche gezahlt und nicht zumindest teilweise durch die Rente gezahlt werden.

Neben den Streitigkeiten über eine 50-prozentige Berufsunfähigkeit gibt es weitere häufig verwendete Aussagen, mit denen die Auszahlung zurückgewiesen wird. Die Berufsunfähigkeitsversicherung weist insbesondere Nachteile bei psychischen Erkrankungen auf, bei denen die Beeinträchtigung schwerer nachzuweisen ist als bei körperlichen Einschränkungen. Oftmals wird die Zahlung mit der Begründung verweigert, dass es sich erst um eine Vorstufe der Berufsunfähigkeit handelt.

Probleme bei Vorerkrankungen

Auch bei gesundheitlichen Problemen, die sich in den Monaten nach der Erkrankung voraussichtlich beheben lassen, kommen die Unternehmen nicht auf. Lässt der Grad der Berufsunfähigkeit nach Einschätzung des Versicherer etwa nach einigen Jahren ab, ist es nicht unüblich, dass die Zahlungen reduziert oder gar eingestellt werden. Ein nachvollziehbarer Ausschlussgrund liegt zudem in fehlerhaften oder vorsätzlich falsch gemachten Angaben bei den Gesundheitsfragen. Hat der Verbraucher absichtlich etwas verschwiegen, hat der Versicherer das Recht, nicht nur die Zahlung zu verweigern, sondern den Vertrag zu kündigen. Somit hat der Arbeitnehmer monate- oder jahrelang umsonst Prämien bezahlt.

Das Analysehaus Morgen & Morgen ist aufgrund der Streitigkeiten zwischen Versicherern und Verbrauchern der Frage nachgegangen, welche Unternehmen die beste Zahlungsmoral in der Branche haben. Die Debeka glänzte dabei mit einer Auszahlungsquote von 85,31 Prozent. Die HDI liegt mit nicht einmal einem Prozentpunkt dahinter auf Platz zwei. Am andere Ende der Tabelle befinden sich die Allianz und Gothaer mit über 63 Prozent sowie das Schlusslicht Basler mit 60,8 Prozent auf Platz 20. Es ist also alles andere als eine Seltenheit, dass ein Leistungsanspruch negiert wird. Doch viele Versicherer haben nicht genügend finanzielle Mittel und einen ausreichend langen Atem, um einen Prozess gegen ihren Berufunfähigkeitsversicherer führen zu können.

Abstrakte Verweisung der Berufsunfähigkeitsversicherung hat Nachteile für Kunden

Ein großer Streitpunkt bei der Auszahlung der Leistungen entsteht durch die Klausel der abstrakten Verweisung. Diese ist jedoch nur noch in Ausnahmefällen in den Verträgen enthälten und hat für den Kunden der Berufsunfähigkeitsversicherung große Nachteile. Auf diese Art und Weise kann der Versicherte auf eine andere sozial zumutbare Tätigkeit verwiesen werden, die seiner Ausbildung, seinem Lebensstandard sowie seinem bisherigen Gehalt entspricht.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es in diesem möglichen Bereich überhaupt eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt frei ist, solange der Arbeitnehmer die vorgeschlagene Beschäftigung theoretisch ausüben könnte.Die meisten Versicherungen verzichten auf die abstrakte Verweisung, einige Unternehmen schränken den Ausschluss jedoch im Kleingedruckten wieder ein wenig ein. So können etwa für Personen Nachteile entstehen, die ihren Beruf kurz vor dem Krankheitsfall gewechselt haben. Für sie kommen bei manchen Versicherern Tätigkeiten im alten sowie neuen Beschäftigungsumfeld in Frage.

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