Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung: Wie können die Beiträge ausgesetzt werden?

Berufsunfähigkeitsversicherung während Elternzeit stilllegen

Während einer beruflichen Pause ist das eigene Einkommen meistens geringer oder kaum vorhanden. Daher überlegen viele Kunden, während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung vorübergehend keine Beiträge zu bezahlen. Die Möglichkeit zur beitragsfreien Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals in den jeweiligen Tarifbedingungen explizit festgehalten. Wird die Beitragsfreistellung nicht ausdrücklich erwähnt, kommt das Versicherungsunternehmen dem Wunsch des Kunden auf Anfrage oft nach. Die Redaktion von berufsunfaehigkeitsversicherung-test.de erklärt, welche welche Aspekte nach der Pause beachtet werden müssen. Außerdem verraten wir, warum es nicht rätsam ist, die Berufsunfähigkeitsversicherung in der Elternzeit komplett zu kündigen.

Beitragsfreie Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung: Versicherungsschutz wird ausgesetzt

Berufsunfähigkeitsversicherung während Elternzeit stilllegenWährend der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung scheidet der Vater oder die Mutter vorübergehend aus dem Arbeitsleben aus. Werden die Prämien jedoch vollständig weiterbezahlt, bleibt auch die Absicherung der eigenen Arbeitskraft unabhängig von der Ausübung der Tätigkeit bestehen. Wird der Versicherungsnehmer während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung berufsunfähig, hat er also unverändert einen Anspruch auf die monatliche Rente.Durch den Nachwuchs steigt die finanzielle Belastung manchmal so stark, dass für die eigene Absicherung nicht genügend Geld übrig bleibt. In diesem Fall sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung besser pausiert als gekündigt werden. Auch eine Reduzierung der Beiträge ist denkbar. Eine Kündigung ist hingegen nur in den seltensten Fällen sinnvoll, und zwar wenn ein Tarif mit einem erheblichen Qualitätsprung gefunden wird. Durch die erneute Gesundheitsprüfung und das höhere Eintrittsalter sind in den allermeisten Fällen aber höhere Prämien oder Leistungseinschränkungen zu erwarten. Unter Umständen wird der Verbraucher auch ganz abgewiesen.Besser ist es grundsätzlich, während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu bleiben und die Beiträge zu pausieren. Allerdings besteht in diesem Fall kein Schutz, sollte das Elternteil während der Auszeit berufsunfähig werden. Zudem ist zu beachten, dass einige Verträge für die Wiederaufnahme des Versicherungsschutzes eine erneute Gesundheitsprüfung vorschreiben. Der erneute medizinische Check könnte sich nachteilig auf die Höhe der Beiträge nach der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung auswirken. In jedem Fall sinkt durch eine Pausierung der Beiträge die vereinbarte Rente, die vom Unternehmen entsprechend vermindert wird.

Nach der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung optimal weiterversichert sein

Die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Berufsunfähigkeitsversicherung sind von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich geregelt. So ist es nicht einheitlich geregelt, wie lange ein kurzfristiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben definiert ist. Liegt die Grenze bei drei Jahren, ist bis zu diesem Zeitpunkt nach Aufnahme der der bereits ausgeübte Beruf der Maßstab für die Versicherung. Jedoch enthalten einige Kontrakte nach einer längeren Pause beim beruflichen Wiedereinstieg eine sogenannte abstrakte Verweisung, die für den Verbraucher negative Folgen haben kann. Im Schadensfall könnte der Kunde dann auch auf einen anderen als den zuletzt ausgeübten Beruf verwiesen werden, der nicht seiner bisherigen Lebensstellung entspricht und sozial nicht ähnlich angesehen ist. Deshalb ist es aus Sicht des Versicherungsnehmers wichtig, sich vor der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung schon Gedanken über die Zeit nach der Pause zu machen und sich detailliert mit den Versicherungsbedingungen zu beschäftigen.Nach der Elternzeit steigen Mütter und Väter häufig in Form von Teilzeitarbeit wieder ins Berufsleben ein. Hierbei sollten sich die jungen Eltern bewusst sein, dass es schwieriger ist, nach einer Krankheit als berufsunfähig eingestuft zu werden. Die Grenze für die Leistungsauszahlung liegt bei einer 50-prozentigen Berufsunfähigkeit. Bei einer Vollzeitstelle von acht Stunden müsste nur noch eine täglich Arbeit von unter vier Stunden möglich sein, um eine Rente zu erhalten. Bei einer Teilzeitarbeit von beispielsweise vier Stunden sind es nur noch zwei Stunden tägliche Arbeit, wodurch sich der Anspruch auf Leistungen nur auf äußerst gravierende Erkrankungen beschränkt.

Berufsunfähigkeitsversicherung muss auch bei Burn-out zahlen

Frau hat Kopfschmerzen

Psychische Leiden werden von vielen Versicherern nicht als Ursache einer Berufsunfähigkeit anerkannt. Doch nicht selten haben auch Kunden mit Depressionen oder Burn-out einen Anspruch auf Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung. Das berichtet das Portal anwalt.de unter Berufung auf ein Urteil des Landgerichts München I. Eine pauschale Aussagekraft hat der Richterspruch aber nicht. Entscheidend sind im Einzelfall immer die jeweiligen Versicherungsbedingungen.

Bekanntermaßen zahlen Berufsunfähigkeitsversicherungsanbieter erst, wenn der Kunde 50 Prozent seiner Arbeitsfähigkeit verloren hat. Ein entsprechender Nachweis fällt bei körperlichen Beschwerden deutlich leichter als bei psychischen Leiden. Die Anerkennung wird bei einem Burn-out zusätzlich dadurch erschwert, dass die Symptome nicht als Krankheit eingestuft werden. Bei dem Zustand der völligen Erschöpfung handelt es sich vielmehr um ein Problem der Lebensbewältigung. Die Folge: Viele Versicherer verweigern bei einem Burn-out die Zahlung. Das ist aber oftmals nicht rechtmäßig. So kann ein Burn-out sehr wohl unter die Definition einer Krankheit fallen, wie sie viele Versicherer festlegen. Denn unter diesen Begriff fallen alle psychischen und physischen Zustände, die so stark vom Normalzustand abweichen, dass sie die Berufsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen oder gar komplett ausschließen können.

Landgericht München gibt Burn-out Betroffenem Recht

Das belegt der Richterspruch des Landgerichts München I (v. 22.03.2006, Az.: 25 = 19698/03). Zwar liegt das Urteil einige Jahre zurück, jedoch ist es aktuell weiterhin äußerst relevant. Psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu einem vorzeitigen Abschied aus dem Arbeitsleben und mittlerweile sogar häufiger verantwortlich als chronische Rückenbeschwerden. In dem konkreten Fall hatte ein selbstständiger Finanzberater vor dem Münchener Landgericht geklagt, weil sein Versicherer ihm die Zahlung verweigerte. Nach mehr als 50 Stunden Arbeit in der Woche und rund 200 bearbeiteten Anrufen pro Arbeitstag fühlte sich der Mann ausgebrannt und litt an einer Persönlichkeitsstörung und Angstzuständen.Ein vom Gericht beauftragter Gutachter stellte schließlich eine 50-prozentige Berufsunfähigkeit fest, die letztendlich den Ausschlag gab, dass der Fall für den Verbraucher entschieden wurde. Weiterhin sprach für den Kläger, dass eine Umorganisation der Arbeit, die es ihm ermöglicht hätte, die Tätigkeit in verringertem Umfang weiterzuführen, ausgeschlossen werden konnte. Auch kam es ihm zu Gute, dass die Krankschreibung über einen dauerhaften Zeitraum von mehr als sechs Monaten attestiert und durch eine ärztliches Gutachten gestützt wurde.

Entscheidung hängt stark von den Unternehmen ab

In anderen Fällen kann die Entscheidung jedoch auch zu Ungusten des Verbrauchers ausfallen. Die allgemeinen Bedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung haben keine generelle Verbindlichkeit, stattdessen sind die Versicherungsbedingungen des einzelnen Unternehmens ausschlaggebend. Ob der Kunde bei einem Burn-out Zahlungen erhält, ist daher in großem Maße von den Regelungen seines Versicherers abhängig. Insofern ist es umso wichtiger, im Vorfeld durch gezielte Information verbraucherfreundliche Angebote zu erkennen.

Der Gang vor das Gericht ist im Streitfall nicht die einzige Möglichkeit. Das finanzielle Risiko einer Niederlage ist nicht zu unterschätzen. Verbraucherschützer wie die Stiftung Warentest raten daher dazu, zunächst die unabhängige und unverbindliche Schlichtungsstelle Versicherungsombudmann in Anspruch zu nehmen. Für Verbraucher ist dieser Dienst kostenlos und bei einem negativen Entscheid des Experten steht immer noch der Gang vor das Gericht offen. Fällt das Gutachten zugunsten des Kunden aus, kann das Unternehmen nur gerichtlich dagegen vorgehen, wenn die streitbare Summe 10.000 Euro übersteigt.
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Berufsunfähigkeitsrente erhöhen? Vier Optionen zur Nachversicherung

Nicht wenige Kunden einer Berufsunfähigkeitsversicherung möchten die vereinbarte Rente nach einiger Zeit erhöhen. Je nach Versicherer gibt es unterschiedliche Nachversicherungsgarantien. Deshalb kann der Schutz manchmal nicht wie gewünscht angehoben werden. Experte Matthias Helberg informiert über drei weitere Möglichkeiten, wie die Versicherungssumme im Nachhinein erhöht werden kann.

Wer einen bestehenden Vertrag besitzt, möchte diesen in der Regel nicht aufs Spiel setzen. Denn bei jeder neu geschlossenen Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Kunden eine erneute Gesundheitsprüfung ablegen. Allein durch das Älterwerden wird der Vertrag teurer. Gab es in der Zwischenzeit gesundheitliche Probleme, wird die Absicherung noch kostspieliger – im schlimmsten Fall kann der Antrag gar gänzlich abgelehnt werden.

Keine einheitliche Nachversicherung bei BU

Mit Hilfe der Nachversicherungsgarantie haben Kunden aber die Möglichkeit, ihren bestehenden Vertrag anzupassen. Eine solche Garantie ist aber nicht bei allen Unternehmen selbstverständlich. Außerdem gibt es Unterschiede, bei welchen Lebensereignissen und in welcher Höhe die Nachversicherungsgarantie greift. Anlässe für eine Nachversicherungsgarantie können die Geburt eines Kindes, eine Hochzeit oder eine Scheidung, die Aufnahme eines besser dotierten Jobs oder der Bau eines Eigenheims darstellen.

Manche Anbieter lassen eine Nachversicherung auch unabhängig von bestimmten Ereignissen zu.Bei den besten Angeboten aus dem Finanztest der Stiftung Warentest lassen sich die Renten innerhalb von zehn Jahren von 1.000 auf 2.000 Euro verdoppeln. Kunden mit höheren Ansprüchen müssen auch die Obergrenzen im Blick haben. Letztendlich hilft aber nur ein genauer Blick in die Versicherungsbedingungen, wann und wie die Berufsunfähigkeitsrente erhöht werden kann.

Zwei parallele Berufsunfähigkeitsversicherungen

Sind die Grenzen zu eng oder ist sogar keine Möglichkeit gegeben, haben Kunden aber drei weitere Möglichkeiten. Laut Helberg ist es zum einen denkbar, eine zweite Berufsunfähigkeitsversicherung parallel zum ersten Vertrag abzuschließen. Hier gilt es aber, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen.Für zwei Berufsunfähigkeitsversicherungen spricht, dass das Risiko verteilt wird. Nur etwa 70 Prozent der Anträge auf Leistungen werden bewilligt.

Bei zwei Versicherern ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass zumindest ein Unternehmen die Berufsunfähigkeitsrente genehmigt und der Kunde im Ernstfall nicht mit leeren Händen dasteht. Entwickelt sich ein Unternehmen im Laufe der Jahre schlecht, kann dies durch den anderen Versicherer aufgefangen werden. Auf der anderen Seite ist die Absicherung über eine nachträgliche Berufsunfähigkeitsversicherung teuer. Zudem erhöht sich nicht nur im Leistungsfall der organisatorische Aufwand, da alle Verwaltungsaufgaben doppelt erledigt werden müssen.

Anschluss-BU und Kündigung

Als zweite Alternative bringt Helberg eine Anschluss-Berufsunfähigkeitsversicherung ins Spiel. So könnten Kunden einen neuen Vertrag abschließen, der erst nach dem Auslauf des bisherigen Vertrages gültig wird. Dadurch ist der Schutz deutlich preiswerter als durch zwei parallele Berufsunfähigkeitsversicherungen. Andererseits ist diese Möglichkeit kaum sinnvoll, wenn der eigentliche Vertrag schon bis zum Eintritt in die Rente konzipiert ist. Bei kürzeren Verträgen ist eine Anschluss-BU aber durchaus eine Option.Als letzte Möglichkeit steht Versicherten eine Kündigung ihres bisherigen Vertrages zu Gunsten einer neuen Versicherung mit höherer Rente offen. Dies ist denkbar, wenn der alte Vertrag noch nicht lange läuft und sich der Gesundheitzustand kaum verändert hat. Ist die Krankenakte dicker geworden, bedeutet ein solches Vorgehen ein großes Risiko. Es ist mit deutlich höheren Prämien oder gar einer Ablehnung durch den Versicherer zu rechnen. Bevor die alte Police gekündigt wird, sollte ohnehin erst eine Zusage der neuen Berufsunfähigkeitsversicherung vorliegen.

Im Einzelfall entscheiden

Welche der vier Möglichkeiten am besten geeignet ist, um die Absicherung aufzustocken, lässt sich pauschal nicht sagen. Es muss immer im Einzelfall geprüft werden, welche Möglichkeiten durch die Nachversicherungsgarantie bestehen und wie sehr die Rente erhöht werden soll. Bei Fragen zur Berufsunfähigkeit können Interessenten unseren Vergleich nutzen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Warum Versicherer ablehnen

Diese Krankheiten, Behandlungen und Hobbys erschweren den Versicherungsschutz

Bereits eine psychologische Behandlung gegen Spinnenphobie macht den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nahezu unmöglich. Das ist eines von vielen Beispielen aus einem aktuellen Bericht der Stiftung Warentest über die Annahmepolitik von Versicherungsunternehmen. Was die häufigsten Ausschlussgründe sind, wie der Vertragsabschluss gefahrlos vorbereitet werden kann und welche Alternativen zur BU im Einzelfall sinnvoll sind.

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Nur zwei von drei Deutsche halten Schutz vor Berufsunfähigkeit für wichtig

Mann mit Rückenproblemen

Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit nimmt im Vergleich zu anderen Sicherheitsbedürfnissen nur eine untergeordnete Rolle ein. Einer von drei Deutschen misst dem Schutz der Arbeitskraft keine große Bedeutung bei. Deutlich wichtiger ist der „Generation Mitte“ die Absicherung bei Krankheiten und im Alter. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).Die Befragten im Alter von 30 bis 59 Jahren beantworteten die Frage, welche Sicherheiten in ihrem Leben einen besonders großen Stellenwert haben. Dabei waren auch mehrfache Nennungen möglich.

Mitvierziger mit größtem Sicherheitsbedürfnis

Mann mit Rückenproblemen66,4 Prozent sehen eine gute Absicherung bei einer Berufsunfähigkeit als wichtig an. Das größte Sicherheitsbedürfnis mit über 70 Prozent haben die 40- bis 49-Jährigen. Die jüngste Zielgruppe von 30 bis 39 Jahren legt ebenfalls deutlich mehr Wert auf den Schutz der Arbeitskraft als die über 50-jährigen Personen.

Das geringe Interesse in der höchsten Altersgruppe ist in dem Zusammenhang verständlich, dass die Beiträge mit zunehmendem Alter beziehungsweise einem schlechteren Gesundheitszustand deutlich ansteigen. Deshalb raten Organisationen wie die Stiftung Warentest zu einem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung in jüngeren Jahren. Einen guten Zeitpunkt kann zum Beispiel der Einstieg in einen Beruf darstellen. Doch wie die Umfrage zeigt, ist das Interesse in der Altersgruppe bis 39 Jahre nicht höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die finanziellen Mittel am Anfang einer Karriere begrenzt sind.

Zukunft der Kinder wichtiger als eigene berufliche Stellung

Die „Generation Mitte“ gewichtet in der Umfrage andere Sicherheitsbedürfnisse deutlich stärker. Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit nimmt gerade einmal den zehnten Platz ein. In neun von zehn Fällen und damit am häufigsten wird ein optimaler Schutz im Krankheitsfall genannt. Auch der Absicherung für das Alter kommt mit einem Resultat von 81,4 Prozent eine zentrale Bedeutung zu. Weniger als drei von vier Deutschen nannten ein sicheres, familiäres Umfeld sowie eine gute Absicherung bei Pflegebedürftigkeit. Die berufliche Zukunft der Kinder wird mit 72,3 Prozent erstaunlicherweise höher gewichtet als die eigene berufliche Stellung: Nur 70 Prozent bezeichnen einen sicheren Arbeitsplatz als unabdingbar, die Sicherheit vor sozialem Abstieg ist für 69,1 Prozent ein Thema.

Das vergleichsweise schlechte Standing der Berufsunfähigkeitsversicherung steht in einem Widerspruch zu den Empfehlungen von Verbraucherschützern. Für die Stiftung Warentest und Co. zählt die Absicherung zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Neben der Haftpflicht-Versicherung sichert auch die Berufsunfähigkeitsversicherung die eigene Existenz ab. Laut Stiftung Warentest ist die Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll für alle, die von ihrer Arbeitskraft leben. Das Wirtschaftsmagazin Focus-Money weist zudem darauf hin, dass die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente allein nicht ausreicht, um den Lebensstandard annähernd zu halten.

Berufsunfähigkeit als unterschätztes Risiko

Die Fragestellung bezieht sich explizit auf die eigene Lebenssituation. Offensichtlich halten viele Deutsche eine Absicherung der Arbeitskraft für sinnvoll, glauben aber, dass sie selbst wahrscheinlich nicht betroffen sein werden. Deshalb berichtet die Verbraucherzentrale NRW davon, dass die Bevölkerung das Risiko unterschätzt. Einer von vier Deutschen wird im Laufe des Arbeitslebens berufsunfähig.Insbesondere in handwerklichen und körperlich anstrengenden Berufen ist das Risiko besonders hoch. Dachdecker oder Maurer müssen ihren Beruf viel öfter frühzeitig aufgeben als Mathematiker oder Ärzte. Doch auch Menschen in vermeintlich sicheren Bürojobs sind anfällig für eine Berufsunfähigkeit. Chronische Rückenleiden und psychische Probleme stellen laut Morgen & Morgen die beiden häufigsten Ursachen für die frühzeitige Aufgabe einer Tätigkeit dar.

Bedeutung Nachversicherungsgarantie

Was bedeutet Nachversicherungsgarantie in der BU?

Was versteht man unter dem Begriff „Nachversicherungsgarantie“ und welche Vorteile habe ich, wenn mein Berufsunfähigkeitsversicherungsvertrag dieses Vertragsmerkmal aufweist?

Die Nachversicherungsgarantie soll Ihnen als Berufstätiger die Möglichkeit geben, auch während der Versicherungsdauer Ihren Berufsunfähigkeitsschutz zu erweitern.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass die Erhöhung Ihres Versicherungsschutzes ohne eine erneute Gesundheitsprüfung erfolgt. Dabei stützt sich die Nachversicherungsgarantie auf das Eintreten von bestimmten Ereignissen, die Ihren finanziellen Bedarf erhöhen und dadurch auch abgesichert werden sollten.

Beim Eintritt dieser Ereignisse während der Vertragsdauer können Sie im Rahmen der Nachversicherung Ihren Versicherungsschutz erhöhen:

  • bei der erstmaligen Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nach Abschluss Ihrer Ausbildung
  • bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit
  • bei Eheschließung
  • bei der Geburt eines Kindes oder bei Adoption
  • bei Erwerb von Immobilieneigentum

Die Nachversicherungsgarantie ist vor allem wichtig, wenn veränderte Gesundheitsverhältnisse oder die zwischenzeitliche Ausübung eines für den Versicherer als riskanter einzustufenden Berufs dazu führen, dass eine Erhöhung des Versicherungsschutzes ausgeschlossen ist.

Weitere Vorteile der Nachversicherungsgarante

Die Nachversicherungsgarantie besitzt den grossen Vorteil, zu bestimmten Anlässen Ihren Versicherungsschutz zu erhöhen, um diesen an Ihre veränderten Lebensumstände anzupassen.

Das Besondere daran ist, dass keinerlei Risikoprüfung vorgenommen wird. Das gilt auch dann, wenn Ihre gesundheitlichen Verhältnisse sich verschlechtert haben oder Sie zwischenzeitlich einen für die Versicherung riskanteren Beruf ausüben und dadurch eigentlich keinerlei Erhöhung des Versicherungsschutzes möglich wäre.

Die Nachversicherungsgarantie ist an bestimmte Ereignisse geknüpft:

  • Eheschließung
  • der Geburt oder der Adoption eines Kindes
  • erstmaliger Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nach der Ausbildung
  • Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit
  • Erwerb von Immobilieneigentum

Manche Versicherungsgesellschaften erweitern die Nachversicherungsgarantie speziell dann, wenn es sich um eine kombinierte Versicherung handelt, die neben der Berufsunfähigkeitsrente auch einen Todesfallschutz bietet.

Ereignisse, die bei kombinierten Verträgen zu einer Erweiterung führen:

  • bei Überschreiten der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung;
  • bei Befreiung von der Versicherungspflicht als selbständiger Handwerker und
  • bei Tod eines der Versicherten bei einer Versicherung auf verbundene Leben.

Auch wenn die Nachversicherungsgarantie eine Gesundheitsprüfung ausschließt, ist sie dennoch an drei bestimmte Bedingungen geknüpft.

Drei Bedingungen für die Gewährung einer Nachversicherungsgarantie:

  • Die Anpassung des Versicherungsschutzes muss innerhalb von sechs Monaten nach Eintritt des jeweiligen Ereignisses erfolgen.
  • Das erreichte Lebensalter darf 50 Jahre nicht übersteigen.
  • Die jährliche Berufsunfähigkeitsrente aller Verträge darf 30.000 € nicht übersteigen.

Hinweis
Technisch gesehen erfolgt bei Ausübung der Nachversicherungsgarantie der Abschluss einer weiteren Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch mit einer Dynamik ausgestattet werden kann, selbst wenn der ursprüngliche Vertrag keine planmäßige Erhöhung von Leistung und Beitrag vorsah.

 

Höhe Berufsunfähigkeitsrente

Berufsunfähigkeitsrente: Wie wird die richtige Höhe ermittelt?

Wie kann ich meinen konkreten Versorgungsbedarf für die Wahl der richtigen Höhe meiner Berufsunfähigkeitsrente ermitteln?

Um eine bestehende Versorgungslücke zu ermitteln, müssen Sie zunächst eventuell bestehende Ansprüche kennen, die Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben.

Aus der gesetzlichen Rentenversicherung können diese Ansprüche resultieren:

  • Wenn Sie vor dem 02.01.1961 geboren sind, dann können Sie eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten. Die Rentenhöhe beträgt ca. zwei Drittel der gesetzlichen Altersrente. Liegt Erwerbsunfähigkeit vor, dann beträgt die Rentenzahlung die volle Höhe der Altersrente.
  • Sind Sie nach dem 02.01.1961 geboren, dann haben Sie Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Je nach Restleistungsvermögen erhalten Betroffene entweder die halbe oder die volle Erwerbsminderungsrente. Die Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente liegt bei ca. 40 % des letzten Bruttoeinkommens.

Versorgungslücke ausgleichen

Die Differenz zwischen Ihrem aktuellen Nettoeinkommen und den Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bildet die Versorgungslücke. Die private Berufsunfähigkeitsrente sollte die Versorgungslücke schliessen.

Beispiel: Sie verdienen monatlich 2.800 € netto. Die Höhe der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente beträgt laut Ihrer letzten Renteninformation 800 €, aus einer betrieblichen Vorsorge bekämen Sie 250 €. Notwendig wäre in diesem Fall eine private Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.750 € im Monat. ( 2.800 € – 800 € – 250 € = 1.750 € )

Nur dadurch können Sie sicherstellen, dass Sie keine finanziellen Einbußen hinnehmen müssen, wenn Sie berufsunfähig werden, und Ihren gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten können.

Freiberufler und Selbständige können durch eine Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk einen Verlust der Erwerbsfähigkeit absichern oder sich für eine private Absicherung entscheiden.

Um die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschätzen, können Sie für ein erste Gefühl auch unseren BU Rechner nutzen. Die Kosten hier sind Schätzwerte, da bei einer solchen Versicherung viele individuelle Faktoren einen Einfluss haben und nicht alle abgefragt werden können.

Frauen schließen Berufsunfähigkeitsversicherung früher als Männer ab

Junge Frau ist nachdenklich

Männer lassen sich zwei Jahre länger als Frauen Zeit, bis sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Der durchschnittliche männliche Kunde ist beim Vertragsabschluss 30 Jahre alt. Die typische weibliche Kundin wird bereits mit 28 aktiv. Das gab kürzlich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bekannt.

Junge Frau ist nachdenklich
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Wie der GDV weiter informiert, hat sich der Anteil an Frauen in der Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung in den letzten Jahren langsam, aber stetig vergrößert. Vor fünf Jahren waren noch unter 37 Prozent der Kunden weiblich. Mittlerweile sind rund 38 Prozent Frauen. Der BU-Experte des GDV, Peter Schwark, macht zwei Gründe für den Zuwachs verantwortlich: Erstens seien heutzutage mehr Frauen berufstätig als früher. Zweitens verdienten sie besser und nicht selten auch mehr als ihr Partner. „Damit ist auch die Notwendigkeit weiter gestiegen, das Einkommen gegen das Risiko einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit abzusichern“, so Schwark in der GDV-Presseerklärung.

Stiftung Warentest rät zu frühem Abschluss

Männer gehen dabei mehr Risiko ein als Frauen, die sich rund zwei Jahre früher absichern. Der Zeitpunkt, bis zu dem die Verträge laufen, ist jedoch identisch: Im Durchschnitt läuft die Berufsunfsunfähigkeitsversicherung bei beiden Geschlechtern mit dem 60. Lebensjahr aus. Dafür sind vor allem finanzielle Zwänge verantwortlich – besser wäre es, die BU-Rente bis zum Eintritt in den planmäßigen Ruhestand sicherzustellen.Stiftung Warentest und Verbraucherschützer raten dazu, keine Zeit verstreichen zu lassen. Versicherungsexperte Rüdiger Falken stellt gegenüber dem Fernsehsender n-tv klar: „Je früher man sich absichert, desto besser„. Auf der anderen Seite muss natürlich auch ein ausreichendes Budget für die laufenden Zahlungen vorhanden sein. Spätestens wenn ein geregeltes Einkommen sichergestellt ist, ist ein Abschluss eines BU-Vertrags in der Regel sinnvoll. Stiftung Warentest rät etwa dazu, sich bis zum 35. Lebensjahr abzusichern. Wer diese Frist verpasst hat, sollte aber dennoch handeln, muss aber üblicherweise deutlich tiefer in die Tasche greifen.

94 % der Anträge werden angenommen

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zählt laut Stiftung Warentest, Focus-Money und Co. mit der privaten Haftpflicht auch zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Jeder vierte Arbeitnehmer muss die Karriere vorzeitig aufgeben. Deshalb sollte diese Police auch Vorrang vor beispielsweise einer Hausratversicherung haben.Für einen frühen Eintritt in die Berufsunfähigkeitsversicherung spricht, dass die Beiträge umso geringer ausfallen, umso jünger ein Kunde ist. Das Risiko ist in jungen Jahren deutlich geringer als in Mitten des Berufslebens. Somit stehen auch die Chancen besser, keine Leistungskürzungen hinnehmen zu müssen oder erst gar nicht aufgenommen zu werden. Je länger die Krankenakte, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Antrag ganz abgelehnt wird. Nach Angaben des GDV werden die Anfragen auf Aufnahme in die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung aber zu 94 Prozent angenommen. Doch die Zeitschrift Ökotest weist darauf hin, dass letztendlich nur jeder Fünfte exakt den Schutz erhält, den er tatsächlich wünscht. Auch deshalb ist ein möglichst früher Abschluss ratsam.

Prämien je nach Beruf unterschiedlich

Natürlich wirken sich auch die Versicherungssumme, die laut Bund der Versicherten mindestens 1.000 Euro Rente pro Monat garantieren sollte, und die Laufzeit der BU-Versicherung auf die Höhe der Beiträge aus. Darüber hinaus spielt auch der ausgeübte Beruf eine sehr große Rolle. Handwerklich tätige Menschen müssen mit deutlich Aufschlägen rechnen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann darüber hinaus bei riskanten Hobbys wie Bergsteigen teurer werden.2014 existierten nach den Zahlen des GDV 17 Millionen Berufs- (BU) und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen (EU). 2014 kamen rund 450.000 neue Verträge hinzu. Beide Policen leisten, wenn die Arbeitskraft dauerhaft verloren geht – unabhängig von der Ursache. Die BU gilt als erste Wahl, weil sie bereits ab einer 50 prozentigen Berufsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübter Tätigkeit Leistungen ausschüttet. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt erst vor, wenn der Kunde komplett außerstande ist, mehr als drei Stunden in einem beliebigen Job tätig zu sein. Die EU ist eine Alternative für alle, die aufgrund von Vorerkrankungen keine BU erhalten.Quelle: http://www.gdv.de/2015/11/frauen-sichern-sich-frueher-gegen-berufsunfaehigkeit-ab/