Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung: Wie können die Beiträge ausgesetzt werden?

Berufsunfähigkeitsversicherung während Elternzeit stilllegen

Während einer beruflichen Pause ist das eigene Einkommen meistens geringer oder kaum vorhanden. Daher überlegen viele Kunden, während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung vorübergehend keine Beiträge zu bezahlen. Die Möglichkeit zur beitragsfreien Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals in den jeweiligen Tarifbedingungen explizit festgehalten. Wird die Beitragsfreistellung nicht ausdrücklich erwähnt, kommt das Versicherungsunternehmen dem Wunsch des Kunden auf Anfrage oft nach. Die Redaktion von berufsunfaehigkeitsversicherung-test.de erklärt, welche welche Aspekte nach der Pause beachtet werden müssen. Außerdem verraten wir, warum es nicht rätsam ist, die Berufsunfähigkeitsversicherung in der Elternzeit komplett zu kündigen.

Beitragsfreie Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung: Versicherungsschutz wird ausgesetzt

Berufsunfähigkeitsversicherung während Elternzeit stilllegenWährend der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung scheidet der Vater oder die Mutter vorübergehend aus dem Arbeitsleben aus. Werden die Prämien jedoch vollständig weiterbezahlt, bleibt auch die Absicherung der eigenen Arbeitskraft unabhängig von der Ausübung der Tätigkeit bestehen. Wird der Versicherungsnehmer während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung berufsunfähig, hat er also unverändert einen Anspruch auf die monatliche Rente.Durch den Nachwuchs steigt die finanzielle Belastung manchmal so stark, dass für die eigene Absicherung nicht genügend Geld übrig bleibt. In diesem Fall sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung besser pausiert als gekündigt werden. Auch eine Reduzierung der Beiträge ist denkbar. Eine Kündigung ist hingegen nur in den seltensten Fällen sinnvoll, und zwar wenn ein Tarif mit einem erheblichen Qualitätsprung gefunden wird. Durch die erneute Gesundheitsprüfung und das höhere Eintrittsalter sind in den allermeisten Fällen aber höhere Prämien oder Leistungseinschränkungen zu erwarten. Unter Umständen wird der Verbraucher auch ganz abgewiesen.Besser ist es grundsätzlich, während der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu bleiben und die Beiträge zu pausieren. Allerdings besteht in diesem Fall kein Schutz, sollte das Elternteil während der Auszeit berufsunfähig werden. Zudem ist zu beachten, dass einige Verträge für die Wiederaufnahme des Versicherungsschutzes eine erneute Gesundheitsprüfung vorschreiben. Der erneute medizinische Check könnte sich nachteilig auf die Höhe der Beiträge nach der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung auswirken. In jedem Fall sinkt durch eine Pausierung der Beiträge die vereinbarte Rente, die vom Unternehmen entsprechend vermindert wird.

Nach der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung optimal weiterversichert sein

Die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Berufsunfähigkeitsversicherung sind von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich geregelt. So ist es nicht einheitlich geregelt, wie lange ein kurzfristiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben definiert ist. Liegt die Grenze bei drei Jahren, ist bis zu diesem Zeitpunkt nach Aufnahme der der bereits ausgeübte Beruf der Maßstab für die Versicherung. Jedoch enthalten einige Kontrakte nach einer längeren Pause beim beruflichen Wiedereinstieg eine sogenannte abstrakte Verweisung, die für den Verbraucher negative Folgen haben kann. Im Schadensfall könnte der Kunde dann auch auf einen anderen als den zuletzt ausgeübten Beruf verwiesen werden, der nicht seiner bisherigen Lebensstellung entspricht und sozial nicht ähnlich angesehen ist. Deshalb ist es aus Sicht des Versicherungsnehmers wichtig, sich vor der Elternzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung schon Gedanken über die Zeit nach der Pause zu machen und sich detailliert mit den Versicherungsbedingungen zu beschäftigen.Nach der Elternzeit steigen Mütter und Väter häufig in Form von Teilzeitarbeit wieder ins Berufsleben ein. Hierbei sollten sich die jungen Eltern bewusst sein, dass es schwieriger ist, nach einer Krankheit als berufsunfähig eingestuft zu werden. Die Grenze für die Leistungsauszahlung liegt bei einer 50-prozentigen Berufsunfähigkeit. Bei einer Vollzeitstelle von acht Stunden müsste nur noch eine täglich Arbeit von unter vier Stunden möglich sein, um eine Rente zu erhalten. Bei einer Teilzeitarbeit von beispielsweise vier Stunden sind es nur noch zwei Stunden tägliche Arbeit, wodurch sich der Anspruch auf Leistungen nur auf äußerst gravierende Erkrankungen beschränkt.

Berufsunfähigkeitsrente erhöhen? Vier Optionen zur Nachversicherung

Nicht wenige Kunden einer Berufsunfähigkeitsversicherung möchten die vereinbarte Rente nach einiger Zeit erhöhen. Je nach Versicherer gibt es unterschiedliche Nachversicherungsgarantien. Deshalb kann der Schutz manchmal nicht wie gewünscht angehoben werden. Experte Matthias Helberg informiert über drei weitere Möglichkeiten, wie die Versicherungssumme im Nachhinein erhöht werden kann.

Wer einen bestehenden Vertrag besitzt, möchte diesen in der Regel nicht aufs Spiel setzen. Denn bei jeder neu geschlossenen Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Kunden eine erneute Gesundheitsprüfung ablegen. Allein durch das Älterwerden wird der Vertrag teurer. Gab es in der Zwischenzeit gesundheitliche Probleme, wird die Absicherung noch kostspieliger – im schlimmsten Fall kann der Antrag gar gänzlich abgelehnt werden.

Keine einheitliche Nachversicherung bei BU

Mit Hilfe der Nachversicherungsgarantie haben Kunden aber die Möglichkeit, ihren bestehenden Vertrag anzupassen. Eine solche Garantie ist aber nicht bei allen Unternehmen selbstverständlich. Außerdem gibt es Unterschiede, bei welchen Lebensereignissen und in welcher Höhe die Nachversicherungsgarantie greift. Anlässe für eine Nachversicherungsgarantie können die Geburt eines Kindes, eine Hochzeit oder eine Scheidung, die Aufnahme eines besser dotierten Jobs oder der Bau eines Eigenheims darstellen.

Manche Anbieter lassen eine Nachversicherung auch unabhängig von bestimmten Ereignissen zu.Bei den besten Angeboten aus dem Finanztest der Stiftung Warentest lassen sich die Renten innerhalb von zehn Jahren von 1.000 auf 2.000 Euro verdoppeln. Kunden mit höheren Ansprüchen müssen auch die Obergrenzen im Blick haben. Letztendlich hilft aber nur ein genauer Blick in die Versicherungsbedingungen, wann und wie die Berufsunfähigkeitsrente erhöht werden kann.

Zwei parallele Berufsunfähigkeitsversicherungen

Sind die Grenzen zu eng oder ist sogar keine Möglichkeit gegeben, haben Kunden aber drei weitere Möglichkeiten. Laut Helberg ist es zum einen denkbar, eine zweite Berufsunfähigkeitsversicherung parallel zum ersten Vertrag abzuschließen. Hier gilt es aber, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen.Für zwei Berufsunfähigkeitsversicherungen spricht, dass das Risiko verteilt wird. Nur etwa 70 Prozent der Anträge auf Leistungen werden bewilligt.

Bei zwei Versicherern ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass zumindest ein Unternehmen die Berufsunfähigkeitsrente genehmigt und der Kunde im Ernstfall nicht mit leeren Händen dasteht. Entwickelt sich ein Unternehmen im Laufe der Jahre schlecht, kann dies durch den anderen Versicherer aufgefangen werden. Auf der anderen Seite ist die Absicherung über eine nachträgliche Berufsunfähigkeitsversicherung teuer. Zudem erhöht sich nicht nur im Leistungsfall der organisatorische Aufwand, da alle Verwaltungsaufgaben doppelt erledigt werden müssen.

Anschluss-BU und Kündigung

Als zweite Alternative bringt Helberg eine Anschluss-Berufsunfähigkeitsversicherung ins Spiel. So könnten Kunden einen neuen Vertrag abschließen, der erst nach dem Auslauf des bisherigen Vertrages gültig wird. Dadurch ist der Schutz deutlich preiswerter als durch zwei parallele Berufsunfähigkeitsversicherungen. Andererseits ist diese Möglichkeit kaum sinnvoll, wenn der eigentliche Vertrag schon bis zum Eintritt in die Rente konzipiert ist. Bei kürzeren Verträgen ist eine Anschluss-BU aber durchaus eine Option.Als letzte Möglichkeit steht Versicherten eine Kündigung ihres bisherigen Vertrages zu Gunsten einer neuen Versicherung mit höherer Rente offen. Dies ist denkbar, wenn der alte Vertrag noch nicht lange läuft und sich der Gesundheitzustand kaum verändert hat. Ist die Krankenakte dicker geworden, bedeutet ein solches Vorgehen ein großes Risiko. Es ist mit deutlich höheren Prämien oder gar einer Ablehnung durch den Versicherer zu rechnen. Bevor die alte Police gekündigt wird, sollte ohnehin erst eine Zusage der neuen Berufsunfähigkeitsversicherung vorliegen.

Im Einzelfall entscheiden

Welche der vier Möglichkeiten am besten geeignet ist, um die Absicherung aufzustocken, lässt sich pauschal nicht sagen. Es muss immer im Einzelfall geprüft werden, welche Möglichkeiten durch die Nachversicherungsgarantie bestehen und wie sehr die Rente erhöht werden soll. Bei Fragen zur Berufsunfähigkeit können Interessenten unseren Vergleich nutzen.

Frauen schließen Berufsunfähigkeitsversicherung früher als Männer ab

Junge Frau ist nachdenklich

Männer lassen sich zwei Jahre länger als Frauen Zeit, bis sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Der durchschnittliche männliche Kunde ist beim Vertragsabschluss 30 Jahre alt. Die typische weibliche Kundin wird bereits mit 28 aktiv. Das gab kürzlich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bekannt.

Junge Frau ist nachdenklich
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Wie der GDV weiter informiert, hat sich der Anteil an Frauen in der Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung in den letzten Jahren langsam, aber stetig vergrößert. Vor fünf Jahren waren noch unter 37 Prozent der Kunden weiblich. Mittlerweile sind rund 38 Prozent Frauen. Der BU-Experte des GDV, Peter Schwark, macht zwei Gründe für den Zuwachs verantwortlich: Erstens seien heutzutage mehr Frauen berufstätig als früher. Zweitens verdienten sie besser und nicht selten auch mehr als ihr Partner. „Damit ist auch die Notwendigkeit weiter gestiegen, das Einkommen gegen das Risiko einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit abzusichern“, so Schwark in der GDV-Presseerklärung.

Stiftung Warentest rät zu frühem Abschluss

Männer gehen dabei mehr Risiko ein als Frauen, die sich rund zwei Jahre früher absichern. Der Zeitpunkt, bis zu dem die Verträge laufen, ist jedoch identisch: Im Durchschnitt läuft die Berufsunfsunfähigkeitsversicherung bei beiden Geschlechtern mit dem 60. Lebensjahr aus. Dafür sind vor allem finanzielle Zwänge verantwortlich – besser wäre es, die BU-Rente bis zum Eintritt in den planmäßigen Ruhestand sicherzustellen.Stiftung Warentest und Verbraucherschützer raten dazu, keine Zeit verstreichen zu lassen. Versicherungsexperte Rüdiger Falken stellt gegenüber dem Fernsehsender n-tv klar: „Je früher man sich absichert, desto besser„. Auf der anderen Seite muss natürlich auch ein ausreichendes Budget für die laufenden Zahlungen vorhanden sein. Spätestens wenn ein geregeltes Einkommen sichergestellt ist, ist ein Abschluss eines BU-Vertrags in der Regel sinnvoll. Stiftung Warentest rät etwa dazu, sich bis zum 35. Lebensjahr abzusichern. Wer diese Frist verpasst hat, sollte aber dennoch handeln, muss aber üblicherweise deutlich tiefer in die Tasche greifen.

94 % der Anträge werden angenommen

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zählt laut Stiftung Warentest, Focus-Money und Co. mit der privaten Haftpflicht auch zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Jeder vierte Arbeitnehmer muss die Karriere vorzeitig aufgeben. Deshalb sollte diese Police auch Vorrang vor beispielsweise einer Hausratversicherung haben.Für einen frühen Eintritt in die Berufsunfähigkeitsversicherung spricht, dass die Beiträge umso geringer ausfallen, umso jünger ein Kunde ist. Das Risiko ist in jungen Jahren deutlich geringer als in Mitten des Berufslebens. Somit stehen auch die Chancen besser, keine Leistungskürzungen hinnehmen zu müssen oder erst gar nicht aufgenommen zu werden. Je länger die Krankenakte, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Antrag ganz abgelehnt wird. Nach Angaben des GDV werden die Anfragen auf Aufnahme in die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung aber zu 94 Prozent angenommen. Doch die Zeitschrift Ökotest weist darauf hin, dass letztendlich nur jeder Fünfte exakt den Schutz erhält, den er tatsächlich wünscht. Auch deshalb ist ein möglichst früher Abschluss ratsam.

Prämien je nach Beruf unterschiedlich

Natürlich wirken sich auch die Versicherungssumme, die laut Bund der Versicherten mindestens 1.000 Euro Rente pro Monat garantieren sollte, und die Laufzeit der BU-Versicherung auf die Höhe der Beiträge aus. Darüber hinaus spielt auch der ausgeübte Beruf eine sehr große Rolle. Handwerklich tätige Menschen müssen mit deutlich Aufschlägen rechnen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann darüber hinaus bei riskanten Hobbys wie Bergsteigen teurer werden.2014 existierten nach den Zahlen des GDV 17 Millionen Berufs- (BU) und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen (EU). 2014 kamen rund 450.000 neue Verträge hinzu. Beide Policen leisten, wenn die Arbeitskraft dauerhaft verloren geht – unabhängig von der Ursache. Die BU gilt als erste Wahl, weil sie bereits ab einer 50 prozentigen Berufsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübter Tätigkeit Leistungen ausschüttet. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt erst vor, wenn der Kunde komplett außerstande ist, mehr als drei Stunden in einem beliebigen Job tätig zu sein. Die EU ist eine Alternative für alle, die aufgrund von Vorerkrankungen keine BU erhalten.Quelle: http://www.gdv.de/2015/11/frauen-sichern-sich-frueher-gegen-berufsunfaehigkeit-ab/